Wer viel unterwegs ist und dabei Musik hören will, kennt das Problem: richtig gute Ohrhörer sind schwer zu finden. Ausprobieren ist bei In-Ears überdies ausgeschlossen, so dass oft der Zufall entscheidet, mit welchem Kopfschmuck man sich gegen den Alltag rüstet. Meist ist es die Abschirmung der Umgebungsgeräusche, die unzureichend ist, oder die Musikabbildung lässt zu wünschen übrig. In-Ear-Ohrhörer schließen den Gehörgang optimalerweise gut ab. Was sich dann im Ohr tut, ist eine andere Geschichte – auf engstem Raum ein gut abgestimmtes System zu konstruieren, ist schon eine Herausforderung. Der deutsche Hersteller
Vivanco hat sich dieser anspruchsvollen Aufgabe angenommen und mit der Aircoustic-Serie einen neuen Weg beschritten.
Wir haben zwei Modellserien der Aircoustic-Reihe getestet: die
Metallprofil-Serie (ca. 25 Euro) sowie die Holzgehäuse-Ohrhörer (ca. 35 Euro). Das besondere Konzept bei beiden Serien ist die Abstimmung der Höreigenschaften auf die Klangkriterien verschiedener Musikrichtungen. Aus der Metallprofil-Serie sind Modelle für Pop, Rock und Klassik erhältlich, während die Holzgehäuse-Modelle mit allgemeinen Eigenschaften beschrieben werden, die sich aus der verwendeten Holzsorte (Buche, Kirsche und Walnuss) ergeben.
Der Klangtest
Beide Modellfamilien überzeugen durch die für diese Preisklasse hohe Verarbeitungsqualität. Dabei schneiden die Holzmodelle noch besser ab. Stoffummanteltes Kabel, vergoldeter Klinkenstecker und handgefertigter Holzkorpus machen auch optisch einiges her. Im Lieferumfang sind Ohrstücke in verschiedenen Größen enthalten – sehr löblich. Zusätzlich gibt es zu den Holzmodellen auch noch ein schickes Transportsäckchen.
Im Test unterscheiden sich die
Metallprofil-Hörer dann doch deutlich von den Holzgehäuse-Hörern. Ersteren ist ein in der Tat leicht metallischer, harter Klang eigen, während letztere durch einen weichen, niemals angestrengten Sound überzeugen. Die Holzhörer sind dabei auch enorm pegelfest, während die Metallvarianten zum Matschigen neigen - sobald man normale Hörlautstärken verlässt, wird der Klang aufdringlich und unangenehm und verliert dabei auch die Detailauflösung.
Ein grundsätzliches Problem ist die quasi konstruktionsbedingte Equalizer-Eigenschaft der Metallserie. Dabei stellt das Klassik-Modell eine besondere Fehlkonzeption dar. Natürlich ist es ein Vorteil, einen besonders durchhörbaren Präsenzbereich geliefert zu bekommen – aber gerade Orchestermusik braucht gute Bässe, um voll und rund zu klingen. Schließlich produzieren auch Kontrabässe Tiefsttöne um die 50 Hz. Hier aber liegt der Schwachpunkt des Klassik-Konzepts – die Bässe sind stark abgeschwächt.
Wie voll und warm Klassik klingen kann, zeigt die Walnuss-Version der Holzreihe. Für nur rund zehn Euro mehr bekommt man hier nicht nur weiche und räumliche, klar durchhörbare Höhen und Mitten, sondern auch einen sauberen, runden Bass. Selbst breiteste Klangmassen werden hier souverän abgebildet, ohne im Ohr zu schmerzen. Das passiert nur, wenn man viel zu laut aufdreht – das ist jedoch nicht nötig, denn die Klangabschirmung ist bei der Holzreihe optimal. So kann man auch in der S-Bahn bei ohrenfreundlicher Lautstärke entspannen.
Die beiden anderen Modelle sind ähnlich in der Wahrnehmung: Besondere Stimmpräsenz und Detailauflösung, dabei mit weicherem Bass, zeichnen das Modell Kirsche aus, die Buchen-Version ist der Mittelweg zwischen Auflösung und Bassdruck. Alle drei sind zu empfehlen, in dieser Preisklasse bekommt man kaum bessere In-Ears. Dabei punktet auch noch das Design – das Holzgehäuse ist auf jeden Fall ein Hingucker.
Fazit
Der Aufpreis für die Aircoustic Holzgehäuse-Ohrhörer lohnt sich in jedem Fall, gerade für Musikliebhaber mit großer Stilvielfalt in der Sammlung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in diesem Fall hervorragend.